Driver's Seat

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PS, Drehmoment, Preis, alle Maße bis auf den letzten Millimeter, das lässt sich in der „Always-on-Gesellschaft“ überall erfahren. Auch mobil. Der Fahrersitz – Driver's Seat – ist deshalb das beste Medium, um ein neues Fahrzeug zu beurteilen. Denn unser Sitzfleisch spürt sofort und genau, wo’s zwickt. Getreu dem Motto „ich fahre, also bin ich“ tauchen hier nur Berichte über Autos auf, die ich persönlich bewegt und mit meinem Popo-Meter „gefühlt“ habe. Harte Fakten bleiben dabei oft außen vor. Dafür gibt es Einschätzungen, Bemerkungen und durchaus kritische Worte zu Dingen, die eben nicht so gut funktionieren oder über das Ziel hinaus schießen. Also, der Beifahrersitz ist noch frei. Bitte einsteigen ...

Jaguar F-Type

von in DRIVER'S SEAT
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Wilde Katzen


Offen zu fahren ist die schönste Form, um dem Himmel nahe zu sein. Die reinste Form ist indes der zweisitzige Roadster. Mit Stoffverdeck und Wind in den Haaren. Der neue F-Type von Jaguar lässt Erinnerungen an Legenden auferstehen und fährt gleichzeitig eindrucksvoll in die Zukunft.

 

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Bei Facebook. Es ist Ende Januar, schlanke acht Grad Außentemperatur. Aber nach Monaten Grau in Grau schaut die Sonne raus. Ein Post lautet: ENDLICH. Heute das erste Mal offen gefahren. Es gilt: Wer einmal in einem offenen Roadster unterwegs war, ist für den Rest der automobilen Fortbewegung verloren. Es dauert meist nicht länger als die Rotphase an der Ampel, bis aus einem wohl behüteten Zweisitzer ein schnieker Roadster wird. Der Lohn für den Zug am Verdeckhebel: Frische Luft, toller Motorklang, intensive Gerüche und das unnachahmliche Gefühl, wirklich frei zu sein. Auch wenn man Mütze, Schal und Handschuhe anziehen muss.

In Spanien, Region Navarra. Es ist April, die Sonne scheint, es herrschen gefühlte 24 Grad. Der F-Type von Jaguar sieht einfach atemberaubend aus. Er hat einen gierigen Schlund, unter dem ein Splitter die Luft vor dem Unterboden verteilt. Rechts und links vom Kühler sitzen zusätzliche Kiemen, die den Bremsen Frischluft zupusten. Eine lange Haube spannt sich bis zur Frontscheibe. Auch sie hat „Kiemen“ für zusätzliche Frischluft. Es folgt ein kurzes Greenhouse. Und ein sehr knackiger Po, der ein wenig an amerikanische Muscle-Cars erinnert. Die Aluminium-Haut ist angespannt wie die Hinterläufe einer Großkatze, die zum Sprung ansetzt. Also keine Designsperenzchen mehr, wie noch vor ein paar Jahren. Der F-Type ist Roadster pur. Mit Stoffmütze, aber ohne Fisimatenten wie Nackenheizung. Er vertreibt den angestaubten Charme des britischen Landadels, ist Fahrmaschine und Spaßfaktor in einem. Und das bereits im Stand. Die vier Endrohre am Heck weisen eindeutig darauf hin, dass es der große F-Type ist. Fünf Liter Volumen, acht Zylinder, 495 PS. Und den Sprint schafft er in 4,9 Sekunden.

Man sollte seine Dehnübungen gemacht haben, bevor man sich in das tief reichende Cockpit hinein begibt. Auch hier herrscht unaufgeregte, puristische Aufgeräumtheit. Famose Sitze, die allerdings nicht zur Serie gehören, sondern als Extra 3.000 Euro kosten. Die sind bestens investiert. Justieren, Spiegel einstellen, das Verdeck öffnen. Und starten. Das klingt zunächst eher bescheiden, denn die Drosselklappen im Auspuff lassen das Triebwerk quasi mit angehaltenem Atem laufen. Nur einen kurzen Gasstoß später steht fest: gran-di-os. Er röchelt und sprötzelt, wie es seiner Größe angemessen ist. Jedoch nicht so, wie die kehlig bollernden Big Blocks aus den USA. Eher wie ein Ferrari. Hochtönend, giftig, spritzig.

Den Joystick in Richtung D ziehen und vorsichtig aufs Gas treten. Keine Seitenscheibe, kein Windschott zügelt das, was den F-Type ausmacht. Ungestüm ist der Vorwärtsdrang, auch wenn Frontmotor, Heckantrieb und Automatik erst einmal Schlupf an den Hinterrädern suggerieren. Der F-Type ist bestens ausbalanciert, das Gewicht im Verhältnis 50:50 auf Vorder- und Hinterachse verteilt. Mit leichtem Gasfuß schnürt der Großvolumige auf den kleinen spanischen Landstraßen entlang, schaltet weich und ohne Zugunterbrechung schnell bis in den achten Gang. Will heißen, auch wenn ich Sportler bin, kann ich sehr genügsam sein. Deshalb stellt er auch beim Ampelstopp den Motor komplett ab.

Bei verschärfter Gangart kommt auch der Kompressor, der oben im V des V-8 sitzt, zu seinen Ehren. Der „Supercherged“-Motor dreht jetzt frech und lautstark die Gänge aus. Er kann sehr spitz in die Kurven hinein getrieben werden, lenkt dann sauber ein. Und dann geht es auch früh wieder mit dem Gas heraus in Richtung der nächsten Kurve. Der F-Type macht einen exzellenten Job. Er kann – aber bitte nur mit entsprechender Erfahrung – auch mit dem Gaspedal zu Drifts animiert werden. Das ist einfach klasse, weil in jedem Moment genügend Reserven vorhanden sind, um den 1,6-Tonner elegant und sehr zügig zu bewegen. Wer mag, hat noch die Option, die Lenkradpaddel zu nutzen. Oder den Dynamikschalter. Beide „Gadgets“ garantieren die Kanonenkugel-Effekte, die man bestenfalls und ausschließlich auf der Rennstrecke nutzen sollte. Die Kennlinien für Motor und Elektronik werden dann sehr spitz, der Klang noch giftiger und der rote Bereich im Drehzahlmesser bekommt häufiger Besuch.

Auf dem Circuito de Los Arcos nahe Pamplona zeigt der F-Type V8S, was er kann und wie weit er zu gehen bereit ist. Vorab: Exzellente Performance. Nicht ganz schafft er die 300 km/h auf der Start-Ziel-Geraden, weil Brems- und Einlenkpunkt etwa 400 Meter zu früh kommen. Aber können kann er es sicher. Der Rest der Strecke ist sehr anspruchsvoll und belegt, wie ausgeglichen das Fahrwerk arbeitet und wie sicher das elektronische Sperrdifferential seiner Arbeit nachgeht. Die Lenkung ist dabei höchst präzise und teilt sich dem Piloten deutlich mit. Wer ein echter Petrol-Head ist, dem werden die Tränen der Rührung waagrecht zu den Ohren abfließen. Der F-Type ist im Umfeld von Porsche Boxster, Porsche 911 oder Audi R8 Spyder eine echte Bereicherung. Das muss er auch, denn mit 99.900 Euro ist er auch kein Schongang für das Konto.

Aber gemach. Jaguar hat auch an die gedacht, die weniger bemittelt sind. Es gibt noch den F-Type V6 und den noch einmal 40 PS stärkeren V6S. Der Preis für den „Einsteiger“ ist mit 73.400 auch nicht von Pappe. Und für jedes weitere PS zum V6S sind noch einmal je 287,50 Euro zu berappen. Diese Option macht nur dann Sinn, wenn der Pilot den F-Type ambitioniert auf Rennstrecken bewegen will. Denn der V6S verfügt, im Gegensatz zum kleinen Bruder, über ein mechanisches Sperrdifferential.

Ein kleiner Trost zum Schluss. Wer hier noch nicht zuschlagen mag, dem sei verraten, dass Jaguar auch noch R-Triebwerke verbaut. Mit mehr als 500 PS. Aber zunächst wollen die Engländer in 2014 das Coupé nachreichen, bevor eventuell der noch schärfere und wildere Roadster folgt.

Facebook? Legen sie doch schon einmal Mütze, Schal und Handschuhe in das kleine Fach zwischen den Sitzen an der Bordwand. Dann können sie im nächsten Januar auch posten, dass sie dem Lebensstil des Offenfahrens frönen und bei den ersten Sonnenstrahlen offen gefahren sind. Die Haare an den Unterarmen werden sich sträuben, teils wegen der Temperatur, teils weil es einfach eine tolle Erfahrung ist, im Winter mit offenem Auto zu fahren.

Ab dem 25. Mai 2013 steht der F-Type bei den Händlern


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